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Mehrere Menschen stehen an einer Pinnwand und hängen Notizzettel auf
Workshops

Das Tief nach der Mittagspause: Wie ein Workshop am Nachmittag wieder Energie bekommt

Tim Becker
Tim Becker

Gegen das Tief nach der Mittagspause hilft im Workshop vor allem Bewegung. Ich lasse die Gruppe am Nachmittag viel im Stehen arbeiten oder so, dass alle aufstehen müssen, um etwas aufzuhängen oder aufzukleben. Dazu plane ich eine zusätzliche Pause am Nachmittag ein, lüfte gut und hole, wenn es möglich ist, eine andere Moderationsstimme dazu. Keins davon ist aufwendig, aber zusammen verändern sie den Nachmittag spürbar.

Der Nachmittag ist bei mir ohnehin der Teil, den ich offener plane. Bis zur ersten Pause steht der Ablauf genau, danach habe ich mehrere Optionen, je nachdem, was die Gruppe am Vormittag eingebracht hat. Wie das aussieht, beschreibe ich in Workshop planen: Vom Ziel bis zur Nachbereitung. Hier geht es um die Frage, wie die Energie nach dem Mittag zurückkommt.

Warum nach dem Mittag die Luft raus ist

Das Tief am frühen Nachmittag hat nicht nur mit dem Essen zu tun. Der Schlafforscher Timothy Monk beschreibt in einem Überblicksartikel, dass die Leistung am Nachmittag bei manchen Aufgaben und manchen Menschen sinkt, weil gleichzeitig die Schläfrigkeit steigt. Das passiert auch dann, wenn jemand gar nicht zu Mittag gegessen hat. Ein kohlenhydratreiches Mittagessen kann das Tief aber verstärken (Monk, The post-lunch dip in performance, Clinics in Sports Medicine 2005).

Für einen Workshop heißt das: Mit einem Tief bei zumindest einem Teil der Gruppe ist zu rechnen, auch wenn der Vormittag gut lief. Es lohnt sich also, den Nachmittag von vornherein darauf auszurichten, statt zu hoffen, dass die Gruppe es schon schafft.

Bewegung einbauen, statt sitzen zu bleiben

Was am Nachmittag am meisten hilft, ist Bewegung, die zur Arbeit gehört. Ich baue Aufgaben so, dass die Gruppe im Stehen arbeitet, zum Beispiel an einer Pinnwand oder einem Flipchart. Oder so, dass alle aufstehen müssen, um ihre Ergebnisse aufzuhängen oder Punkte zu kleben.

Dafür gibt es auch einen Beleg aus der Forschung: Andrew Knight und Markus Baer von der Washington University haben Teams 30 Minuten lang ein Video erarbeiten lassen, in Räumen mit Stühlen oder in Räumen ohne Stühle. Die Teams, die standen, waren körperlich aktivierter, verteidigten ihre eigenen Ideen weniger, tauschten mehr Informationen aus und lieferten bessere Ergebnisse (Washington University, 2014).

Ein paar Formen, die am Nachmittag gut funktionieren:

  • Gruppenarbeit an Stehtischen oder direkt an der Wand statt am Tisch
  • Ergebnisse auf Karten schreiben und selbst an die Pinnwand bringen lassen
  • Punkte kleben oder sich im Raum zu einer Aussage positionieren
  • Für eine Runde den Ort wechseln, zum Beispiel in einen anderen Teil des Raums

Wann Punkte kleben als Entscheidungsmethode reicht und wann nicht, steht in Entscheiden im Workshop: Wann Punkte kleben reicht und wann nicht.

Eine zusätzliche Pause einplanen

Eine zusätzliche Pause am Nachmittag ist kein Zeitverlust, sondern Teil des Plans. Wer den Nachmittag ohne Unterbrechung durchzieht, hat am Ende zwar die Zeit genutzt, aber oft nicht die Köpfe. Die Pause muss nicht lang sein. Wichtig ist, dass sie im Ablauf steht und nicht erst eingeschoben wird, wenn die Gruppe schon durchhängt.

Gut lüften

Frische Luft wird im Workshop leicht vergessen, gerade in Räumen, in denen viele Menschen den ganzen Tag zusammensitzen. Eine Studie von Joseph Allen und Kolleg:innen an der Harvard T.H. Chan School of Public Health zeigt, wie groß der Effekt sein kann: Büroangestellte erzielten in einer gut belüfteten Umgebung mit wenig CO₂ und wenig Schadstoffen in kognitiven Tests 101 % höhere Werte als unter Bedingungen eines herkömmlichen Büros (Allen u. a., Environmental Health Perspectives 2016).

Im Workshop heißt das ganz praktisch: in jeder Pause die Fenster öffnen, nicht erst, wenn die Luft spürbar schlecht ist.

Eine andere Stimme dazuholen

Eine zweite Moderationsstimme bringt am Nachmittag oft frischen Schwung. Nach einem ganzen Vormittag hat sich die Gruppe an eine Stimme und einen Stil gewöhnt. Wenn eine andere Person einen Teil übernimmt, ist das ein kleiner Neustart.

Das geht natürlich nur, wenn eine zweite Person da ist, zum Beispiel in einer Co-Moderation. Eine Möglichkeit ohne zweite Moderatorin oder zweiten Moderator: Teilnehmende stellen Ergebnisse selbst vor oder leiten eine kurze Runde an. Wie sich die Redeanteile dadurch verteilen, beschreibe ich in Vielredner im Workshop: Wie du allen Raum gibst, ohne jemanden bloßzustellen.

Den Nachmittag anders planen als den Vormittag

Wenn die Konzentration am Nachmittag nachlässt, passen aktive Formen besser als langer Input: sortieren, priorisieren, Ergebnisse festhalten. Das passt gut zusammen, denn am Ende eines Workshop-Tages geht es ohnehin darum, Ergebnisse zu sichern und die nächsten Schritte zu verteilen. Wie aus diesen Ergebnissen später etwas wird, steht in Nach dem Workshop: Warum oft nichts umgesetzt wird und was hilft.

Zusammengefasst

Mit einem Tief nach dem Mittag ist zu rechnen, deshalb lohnt es sich, den Nachmittag darauf auszurichten. Was hilft: Aufgaben, bei denen die Gruppe steht oder aufstehen muss, eine zusätzliche Pause, die von Anfang an im Plan steht, gut lüften und, wenn möglich, eine andere Stimme, die einen Teil übernimmt.

Titelbild: Foto von fauxels auf Pexels

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