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title: "Neu als Führungskraft: Was in den ersten Monaten zählt"
description: "Neu als Führungskraft: erst zuhören, eine Sache richtig gut umsetzen, offen sagen, dass die Rolle neu ist, und Meetings bewusst moderieren lernen."
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Führung

# Neu als Führungskraft: Was in den ersten Monaten zählt

![Tim Becker](https://app.hubspot.com/settings/avatar/b6c92915f3166264a950544916a3e499)

 Tim Becker

10\. Oktober 2026

In den ersten Monaten als Führungskraft zählt vor allem, erst zuzuhören und nicht in Aktivismus zu verfallen. Statt zehn Baustellen gleichzeitig aufzumachen, suchst du dir eine Sache heraus und setzt sie richtig gut um. Dazu kommt Offenheit: Du sagst transparent, dass die Rolle neu für dich ist, ohne dabei unsicher zu wirken. Und du stellst dich darauf ein, dass ein großer Teil deiner neuen Arbeit vor der Gruppe stattfindet, beim Leiten von Besprechungen und beim Moderieren.

Viele Ratgeber zu den „ersten 100 Tagen“ bestehen aus langen Tipp-Listen. Dieser Artikel konzentriert sich auf die vier Punkte, die mir bei neuen Führungskräften immer wieder auffallen, und darauf, wie sie sich im Alltag umsetzen lassen.

## Warum die ersten Monate so viel Gewicht haben

In den ersten Monaten bildet sich das Bild, das dein Team von dir hat, und das ändert sich danach nur langsam. Wie groß der Einfluss einer Führungskraft ist, zeigt eine viel zitierte Auswertung von Gallup: Führungskräfte erklären mindestens 70 % der Unterschiede im Engagement zwischen Teams. Grundlage sind Befragungen von 27 Millionen Beschäftigten über zwei Jahrzehnte ([Gallup, 2015](https://news.gallup.com/businessjournal/182792/managers-account-variance-employee-engagement.aspx)).

Die Idee, den Anfang einer neuen Führungsrolle bewusst zu gestalten, geht unter anderem auf Michael Watkins zurück. Sein Buch „The First 90 Days“ (Harvard Business School Press, 2003) beschreibt den Rollenwechsel als etwas, das man lernen kann, und betont unter anderem frühe Erfolge, die Abstimmung mit der eigenen Vorgesetzten und den Aufbau des Teams ([Rezension in der Stanford Social Innovation Review](https://ssir.org/articles/entry/review_the_first_90_days)). Ob 90 oder 100 Tage, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist, dass der Anfang eine eigene Phase mit eigenen Aufgaben ist.

## Erst zuhören, bevor du etwas veränderst

Der erste Impuls in einer neuen Rolle ist oft, zu zeigen, dass man etwas bewegt. Neue Ideen, neue Abläufe, neue Tools. Mir ist aufgefallen, dass genau dieser Impuls am Anfang mehr Vertrauen kostet, als er bringt. Wer in der ersten Woche erklärt, was sich alles ändern soll, signalisiert dem Team: Was ihr bisher gemacht habt, war nicht gut genug. Und wer noch nicht verstanden hat, warum etwas so ist, wie es ist, verändert womöglich genau das, was gut funktioniert.

Zuhören heißt konkret: Gespräche mit allen im Team führen, einzeln, mit offenen Fragen. Zum Beispiel:

- Was läuft gut, und was sollte auf keinen Fall verloren gehen?
- Was kostet dich gerade unnötig Zeit oder Nerven?
- Was hast du dir von deiner neuen Führungskraft gewünscht?
- Wenn du eine Sache ändern könntest, welche wäre das?

Dazu kommen Gespräche mit der eigenen Vorgesetzten, mit Schnittstellen in anderen Abteilungen und, falls möglich, mit deiner Vorgängerin oder deinem Vorgänger. Wichtig ist, in dieser Phase Notizen zu machen und noch nichts zu versprechen.

## Eine Sache richtig gut machen statt zehn halb

Aus den Gesprächen ergibt sich meist eine lange Liste. Die Versuchung ist groß, möglichst viel davon schnell anzugehen. Mir ist aufgefallen, dass das selten aufgeht. Besser funktioniert nach meiner Beobachtung: eine Sache heraussuchen und die richtig gut umsetzen.

Das ist eine bewusste Gegenposition zu vielen Ratgebern, die zu möglichst vielen „Quick Wins“ raten. Eine einzige, sauber umgesetzte Verbesserung zeigt dem Team mehr als fünf angefangene Projekte: dass du zugehört hast, dass du Dinge zu Ende bringst und dass sich etwas tut, wenn man dir ein Problem nennt.

Bei der Auswahl helfen ein paar Fragen:

- Wurde das Thema von mehreren Leuten im Team genannt?
- Liegt es in deinem Einflussbereich, oder brauchst du dafür viele andere?
- Lässt es sich in einigen Wochen spürbar verbessern?
- Merkt das Team im Alltag, dass sich etwas geändert hat?

Wenn ein Thema alle vier Fragen mit Ja beantwortet, ist es ein guter Kandidat. Alles andere bleibt auf der Liste und kommt später dran. Das darfst du dem Team auch so sagen.

## Transparent, aber nicht unsicher: Wie du sagst, dass alles neu ist

Neu in einer Rolle zu sein, ist kein Makel, und das Team weiß es ohnehin. Es zu verschweigen oder zu überspielen, wirkt schnell unecht. Was sich bewährt hat: transparent sagen, dass vieles neu für dich ist, und dabei klar bleiben, wie du damit umgehst.

Der Unterschied liegt oft in einem Halbsatz. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das kann“ verunsichert. „Das ist meine erste Führungsrolle. Ich werde in den nächsten Wochen viel fragen und zuhören, bevor ich Dinge verändere“ ist genauso ehrlich, gibt dem Team aber Orientierung. Es sagt: Ich weiß, wo ich stehe, und ich habe einen Plan, wie ich vorgehe.

Diese Haltung lässt sich auch im Alltag durchhalten. Wenn du eine Entscheidung nicht sofort treffen kannst, ist „Das kläre ich bis Donnerstag“ besser als ein vorschnelles Ja oder ein ausweichendes „Mal sehen“.

## Führen heißt oft: vor der Gruppe stehen

Was viele neue Führungskräfte unterschätzen: Ein großer Teil der neuen Rolle findet vor der Gruppe statt. Teammeetings leiten, Entscheidungen vorstellen, Diskussionen moderieren, in Workshops vorne stehen. Wer vorher als Fachkraft gearbeitet hat, war in solchen Runden meist Teilnehmer. Jetzt bist du derjenige, der den Rahmen setzt.

Das ist eine eigene Fähigkeit, und sie hat viel mit Moderation zu tun. Ein paar Dinge, die dabei helfen:

- **Besprechungen über Fragen planen statt über Themen.** Der Meetingforscher Steven Rogelberg empfiehlt, Agenden als Fragen zu formulieren, die das Meeting beantworten soll. Dann ist klar, wer dabei sein muss und wann man fertig ist ([TED Ideas](https://ideas.ted.com/bad-meetings-drain-time-and-energy-here-are-6-ways-to-lead-ones-that-engage-and-inspire/)).
- **Alle beteiligen, nicht nur die Lautesten.** Zum Beispiel mit Fragen an alle, die per Handzeichen oder reihum beantwortet werden.
- **Die Stimmung im Raum wahrnehmen.** Wer moderiert, achtet nicht nur auf Inhalte, sondern darauf, wie die Gruppe reagiert. Was man dabei von Comedians lernen kann, habe ich in [Crowd Work: Was Vortragende von Comedians lernen können](https://www.ride-consulting.com/blog/crowd-work-vortragende-comedians) beschrieben.

Je früher du dich in dieser Rolle sicher fühlst, desto leichter wird alles andere, denn viele Führungsaufgaben laufen über genau diese Runden.

## Woran neue Führungskräfte häufig hängenbleiben

- **Aktivismus:** zu viel auf einmal anfangen, um Wirksamkeit zu zeigen, und dabei wenig zu Ende bringen.
- **Zuhören ohne Konsequenz:** Gespräche führen, aber nie sichtbar machen, was daraus folgt. Das Team merkt sich, dass sich nichts geändert hat.
- **Unsicherheit überspielen:** so tun, als wüsste man alles, statt offen zu sagen, was neu ist.
- **Die Gruppe unterschätzen:** Meetings so weiterlaufen lassen wie bisher, obwohl man jetzt derjenige ist, der sie gestaltet.

## Die ersten Monate auf einen Blick

- Einzelgespräche mit allen im Team, mit offenen Fragen
- Gespräche mit Vorgesetzten, Schnittstellen und, wenn möglich, der Vorgängerin oder dem Vorgänger
- In den ersten Wochen zuhören und notieren, noch nichts versprechen
- Eine Sache auswählen, die mehrere genannt haben und die du selbst beeinflussen kannst
- Diese eine Sache sichtbar und vollständig umsetzen
- Dem Team offen sagen, dass die Rolle neu ist, und wie du vorgehst
- Teammeetings bewusst gestalten: Fragen statt Themen, alle beteiligen

## Zusammengefasst

Der Anfang als Führungskraft entscheidet viel, aber nicht durch die Menge an Veränderungen, sondern durch die Haltung, mit der du startest. Zuhören, bevor du handelst. Eine Sache gut machen statt vieler halb. Offen sagen, dass vieles neu ist, ohne dich kleinzumachen. Und die Rolle vor der Gruppe ernst nehmen, denn dort erlebt dein Team dich am häufigsten.

Titelbild: Foto von Sable Flow auf [Unsplash](https://unsplash.com)

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